Mixed

Januar 2021 – Urbanes I

News:

  1. Ich habe Anfang Januar 2021 ein neues Startbild eingestellt (den engen Ausschnitt eines Gesichtes). So einen Foto-Wechsel werde ich immer wieder unregelmäßig vornehmen.
  2. Des Weiteren wurde der neue Menüpunkt „Mixed“ eingeführt. Hier zeige ich „gemischte“ Fotoarbeiten aus meinen verschiedenen fotografischen Bereichen. Veranlasst hat mich dazu meine vor Monaten nebenbei begonnene Arbeit an einem Fotobuch. Ich wählte erstmal 80 bis 85 Portraits aus und brachte sie dummymäßig in eine Bildreihenfolge, aber nach Tagen des Schauens und Nachdenkens, gefiel es mir nicht mehr. Nur Portraits fand ich irgendwann zu eintönig und entschloss mich, sie durch andere Arbeiten von mir zu ergänzen. Der Menüpunkt „Mixed“ ist für mich ein Experimentierfeld ohne Anspruch, dass die Fotos und ihre Reihenfolge jemals in meinem Fotobuch so erscheinen müssen. Ich bin selbst gespannt, was am Ende des Jahres zu sehen sein wird.

Im Menüpunkt „Das Projekt (Texte)“ taucht ebenfalls ein Link „Mixed“ auf. Hier gebe ich Beschreibungen zu den Aufnahmen bekannt, wie ich es vorher auf dieser Seite auch schon gemacht habe.

Die hier gezeigten Fotos haben einen urbanen Charakter und sind mit meiner momentanen Sehnsucht nach Schnee und Reisen verbunden.

Das farbige Panorama-Foto (Foto 1) zeigt einen Blick aus meinem Küchenfenster im Jahre 2010. Da ich in der Provinz lebe, etwa 70m über dem Meeresspiegel, bleibt der Schnee – wenn es denn mal schneit – in den letzten Jahren nicht mehr liegen. Nach einem Tag ist er wieder verschwunden, aber 2010 war er wochenlang zu sehen.

Anfang der 80ziger Jahre war ich mit meiner Frau und Freunden für ein paar Wochen in Irland und fotografierte diese urbanen Aufnahmen (Foto 2, 3, 4) an der Westküste. Zwar sind Reisen momentan nicht möglich, aber alte Fotos sind doch wunderbare Verstärker von Erinnerungen.

Angewandte Technik: Das Panoramafoto wurde mit der digitalen Canon 450D und Kit-Objektiv gemacht. Vier Fotos mit leichter Überlappung wurden im Hochformat nebeneinander fotografiert. Anschließend in Capture One Pro einzeln bearbeitet und in Photoshop CS6 zu einem Panorama zusammengefügt.

Die Irland-Fotos habe ich mit den Kameras von Canon, der AE-1 und der F-1, gemacht. Als Filme im Einsatz waren der FP4 und der HP5, entwickelt wurden sie in Microphen (1+3).

zu den Fotos

 

Februar 2021 – Stillleben und „Eichen“ einer Film/Entwickler-Kombi

Vor ein paar Monaten habe ich Auberginen (Ausschnitte – Foto 5, 6) fotografiert. Das Triptychon besteht aus drei 8×10-Negativen. In der hier gezeigten Bildreihenfolge passen die dunklen, unstrukturierten Flächen der Auberginen als Kontrast (nicht Bildkontrast gemeint) zu den dunklen, strukturierten Flächen des irischen Urbanen. Mein „bildsprachlicher Focus“ bei der Anordnung dieser Bilderfolge lag auf dunklen Tonwerten und Struktur, nicht auf den Motiven. Man könnte auch mit verschiedenen Bildgrößen experimentieren oder andere „Sprachelemente“ der Fotografie nehmen. Ebenso wären Portraits möglich. In der Kunst gibt es keine Regeln, keine Königswege. Folge nur deinen Visionen. (Wenn du unsicher bist, brauchst du wahrscheinlich einen sogenannten Kurator deines Vertrauens).

Diane Arbus schrieb mal sinngemäß: „Niemand liebt deine Bilder so wie du selbst“. Ja, das stimmt und ich würde ergänzen wollen: Niemand ist so nah an deiner Vision wie du selbst. Zurück zur Technik.

Angewandte Technik: 8×10 HP5+ @200 ASA in Xtol (1+1). Toyo mit 240 mm Symmar-S. Ein Blitzkopf mit Softbox und Wabe. Mit dem 5º- Minolta-Blitzbelichtungsmesser habe ich die helle Stelle vor den Auberginen angemessen und die erhaltene Blende um 2 Stufen geöffnet (meistens auf Blende 64). Eine weitere Messung auf die Schatten machte ich nicht. Sie ist nicht notwendig, denn die Schatten haben bei meiner „geeichten“ Film/Entwickler-Kombi immer Zeichnung.

Zonensystem-Fotografen würden jetzt sagen: den Bereich hat er in Zone VII gelegt und ich würde dem zustimmen, obwohl ich kein Zonensystem-Fotograf bin, denn ich arbeite nicht mit den im Zonensystem verwendeten „Plus“ – und „Minus“ – Entwicklungen. Ich verwende in meiner „geeichten“ Film/Entwickler-Kombi die Zonen nur als Belichtungssystem. Es ist eine Adaption an Fred Pickers Empfehlung, etwa sinngemäß: „Belichte auf die bildwichtigste helle Stelle, die gerade noch Zeichnung haben sollte, lege den Wert in Zone VIII (gemeint ist die Blenden/Zeit-Kombination um 3 Stufen zu öffnen) und lass die anderen Tonwerte fallen wie sie fallen“.

Exkurs: „Eichen“ einer Film/Entwickler-Kombi. Ich setze das Wort „Eichen“ in Anführungsstrichen, weil ich beim „Eichen“ keine Referenzgeräte verwende, sondern nur meine eigenen Geräte, die Fehlertoleranzen haben. Mich interessiert immer, was mit meinen Geräten und meiner Arbeitsweise bei mir funktioniert und was nicht, unabhängig davon, was bei anderen funktioniert.

Wieso und wie „eiche“ ich? Am Anfang meiner fotografischen Entwicklung habe ich nach den Herstellerangaben belichtet und entwickelt – mit mäßigem Erfolg. Mal waren die Negative zu hell oder zu dunkel, mal waren die Lichter ausgefressen oder die Schatten zugelaufen oder beides. Es war immer eine kleine Quälerei beim Vergrößern in der Dunkelkammer. Fotofreunde von damals rieten mir, nimm doch diesen Film oder diesen Entwickler. Es änderte sich nicht viel an meinem mäßigen Erfolg und der Quälerei – bis ich Mitte der 80er Jahre über das Zonensystem von Ansel Adams und das modifizierte System von Fred Picker las. Beide stellten unter anderem das „Eichen“ einer Film/Entwickler-Kombi vor. Ich entschied mich für das System von Fred Picker (amerikanischer Landschaftsfotograf und Fotogeräte-Produzent der ZoneVI-Studios, verstorben 2002), weil sein verändertes System für mich näher an den Feld-Bedingungen der Fotografie schien als das von Ansel Adams. Natürlich kann man auch mit den Herstellerangaben technisch einwandfreie Negative herstellen, aber mir ist es so nicht gelungen.

Hier Fred Pickers Methode zum „Eichen“: Sein Standpunkt war, dass es nur 7 Kontraststufen in der Natur gibt, mit drei Ausnahmen: bei Nebel, bei Smog und bei Gegenlicht. Eine „Minus“-Entwicklung lehnte er ab, weil sie einer Unterbelichtung ähnelte und beim Vergrößern mehr Ärger als Freude bereitete.

Sein modifiziertes Belichtungssystem, das er in seinem „Zone VI Newsletter, No.46“ von 1986 beschrieb, hat zwei Bezugspunkte. Die Zone I mit einem Dichtewert von 0,1 (ich bevorzuge eher einen Dichtewert von 0,14 – 0,15, weil dann die Schatten besser durchgezeichnet sind), um die effektive Empfindlichkeit des Films zu bestimmen. Der zweite Punkt ist die Zone VIII mit einem Dichtewert von 1,10 – 1,15, wenn man einen Kondensor-Vergrößerer hat oder 1,25 – 1,30, wenn man einen Kaltlicht-Vergrößerer hat, um die Entwicklungszeit dieser Film/Entwickler-Kombi zu bestimmen.

Fred Picker empfiehlt einen weißen Karton in der Sonne zu fotografieren und einen schwarzen Karton im Schatten. (man könnte auch eine weiße Wand in der Sonne und eine schwarze Tür im Schatten nehmen). Wichtig war ihm auch, nur ein Objektiv zu verwenden -nur das, mit dem man am meisten fotografiert. Bei Handkameras keine Verschluss-Zeiten über 1/250 sec einstellen oder bei Großformatkameras keine Zeiten über 1/125 sec nehmen, weil die Zeiten dann ungenau werden. Die Entfernung sollte auf Unendlich eingestellt sein.

Hier ein Belichtungs-Beispiel für Kleinbild- bzw. Rollfilme bei Tageslicht:

Der ASA-Wert des Films wird nur auf ¼ der angegebenen Filmempfindlichkeit eingestellt, z.B. bei einem 400 ASA-Film auf 100 ASA, bei 100 ASA auf 25 ASA. Die vier Ecken des schwarzen Kartons (etwa 40×50 cm oder größer) werden am besten mit einem Spotbelichtungsmesser angemessen, um sicherzustellen, dass der Karton gleichmäßig beschienen wird. Die Belichtungsautomatik der Kamera sollte ausgeschaltet sein. Die Kamera geht so nah an den Karton, dass dieser formatfüllend im Sucher zu sehen ist. Dabei ist darauf zu achten, dass die Kamera oder der Fotograf keinen Schatten auf den Karton wirft. Man misst erneut den schwarzen Karton an und schließt die Blende um 4 Stufen, um eine Zone I – Belichtung zu machen. Anschließend wird nicht mehr gemessen, sondern die erste Aufnahme gemacht und nach jeder weiteren Aufnahme wird die Blende des Objektivs um ½ Stufe geschlossen. Die Belichtungszeit bleibt dabei konstant eingestellt. Mit jedem Schließen wird eine andere ASA-Einstellung simuliert. Diese Vorgehensweise erspart das ständige Ausmessen. Das könnte mit dem schwarzen Karton so aussehen:

  1. Aufnahme: 1/250 sec,   f 8,         (entspricht  Zone I,   100 ASA)
  2. Aufnahme: 1/250 sec,   f 8/11,    (entspricht  Zone I,   140 ASA)
  3. Aufnahme: 1/250 sec,   f 11,        (entspricht  Zone I,   200 ASA)
  4. Aufnahme: 1/250 sec,   f 11/16,  (entspricht  Zone I,   280 ASA)
  5. Aufnahme: 1/250 sec,   f 16,        (entspricht  Zone I,   400 ASA)
  6. Aufnahme: 1/250 sec,   f 16/22,  (entspricht  Zone I,   560 ASA)

Jetzt mit dem weißen Karton in der Sonne genauso verfahren wie beim schwarzen Karton: formatfüllend, keinen Schatten auf den Karton, gleichmäßige Belichtung usw. Weißen Karton anmessen und die Blende um 3 Stufen öffnen, um eine Zone VIII – Belichtung zu machen. Danach wird ebenfalls mit dem Schließen der ½ Blendestufe eine andere ASA-Einstellung simuliert. Das könnte mit dem weißen Karton so aussehen:

  1. Aufnahme: 1/250 sec,   f 4,            (entspricht  Zone VIII,   100 ASA)
  2. Aufnahme: 1/250 sec,   f 4/5,6     (entspricht  Zone VIII,   140 ASA)
  3. Aufnahme: 1/250 sec,   f 5,6,        (entspricht  Zone VIII,   200 ASA)
  4. Aufnahme: 1/250 sec,   f 5,6/8,    (entspricht  Zone VIII,   280 ASA)
  5. Aufnahme: 1/250 sec,   f 8,           (entspricht  Zone VIII,   400 ASA)
  6. Aufnahme: 1/250 sec,   f 8/11,      (entspricht  Zone VIII,   560 ASA)

Diese Belichtungsabfolge geht ziemlich schnell. Wer unsicher ist sollte vielleicht vorher einen Trockenversuch machen. Sollten sich die Lichtverhältnisse durch Wolken schnell verändern, muss man natürlich erneut den Karton anmessen. Ein Rollfilm wäre jetzt ganz belichtet und kann entwickelt werden. Wer mit einem 36iger Kleinbildfilm testet, sollte die restlichen 24 Aufnahmen auch belichten, egal womit, und dann entwickeln. Hierbei sollte das Entwicklungsprozedere immer konstant gehalten werden: gleiche Abfolge, gleiche Verdünnung, gleicher Kipprhythmus, gleiche Chemie, gleiche Temperatur, gleiche Wässerung, gleiche Trocknung – nichts abkürzen.

Meiner Meinung nach reichen zwei belichtete Filme, um die Zonen I und VIII zu bestimmen zu können. Zur Not ein dritter. Es sollte keine ganz genaue Punktlandung bei den Dichten geben. Eine Näherung reicht – wir sind Fotografen und keine Tester.

Das Ausmessen der Zonen-Dichten kann man mit einem Densitometer vornehmen oder einen Scan-Dienstleister oder ein Profi-Film-Entwicklungslabor fragen, ob sie das machen. Ob sich andere Geräte dafür eignen, weiß ich nicht, man kann ja googeln. Eine Dichtemessung mit der VueScan-Software ist ziemlich ungenau, gerade bei diesen beiden Dichten.

Hier meine Interpretationshilfe der ermittelten Dichtewerte. Folgende Vorgehensweise: Zuerst schaut man auf die Zone I-Dichte, die im Bereich 0,10 – 0,15 liegen sollte und anschließend auf den dazugehörigen ASA-Wert, z.B. ist der bei 200 ASA. Nun schaut man weiter bei 200 ASA auf die Dichte von Zone VIII. Im glücklichen Fall liegt sie schon bei der ersten „Eich“-Filmentwicklung im Bereich von 1,25 – 1,30. Man muss sich jetzt nur die verwendete Entwicklungszeit notieren. Liegt der Dichtewert über 1,30, z.B. bei 1,35, so sollte man den zweiten „Eich“-Film etwa um ½ bis 1 Minute kürzer entwickeln. Der Dichtewert der Zone I verringert sich dabei im Hundertstel-Bereich, z.B. von 0,15 auf 0,13. Dagegen verringert sich der Dichtewert der Zone VIII im Zehntel-Bereich, z.B. von 1,35 auf 1,28. Ein weiteres Feintuning würde ich beim Fotografieren in der Natur machen, z.B. eine helle Wolke in Zone VIII legen (sie sollte gerade noch Zeichnung haben). Wenn ich aber in der Dunkelkammer beim Vergrößern die Wolke nachbelichten muss, um Zeichnung zu bekommen, würde ich beim nächsten Film die Entwicklungszeit erneut verkürzen. Ist umgekehrt die Wolke zu grau, sollte die Entwicklungszeit verlängert werden.

Das war‘s. Fred Picker erwähnte auch, dass das „Eichen“ nicht dein Leben verbessert oder dich zum besseren Fotografen macht. Es verhindere nur die zwei gravierendsten technischen Fehler, die man beim Fotografieren machen kann: falsch belichten und falsch entwickeln. Seit 1986 arbeite ich nach seiner Methode und sie funktioniert.

Im nächsten Monat schreibe ich über das „Eichen“ von Großformat-Negativen. Es läuft zwar so ähnlich ab wie bei den Kleinbild- und Mittelformat-Filmen, aber es gibt kleine Unterschiede.

Nachtrag zur Entwicklungszeit. Welche Zeit nimmt man beim ersten „Eich“-Film?

Es gibt zwei Möglichkeiten:

  1. Man nimmt die empfohlene Entwicklungszeit aus dem Datenblatt der Hersteller (es sind nur Empfehlungen und keine in Stein gemeißelten Wahrheiten)
  2. Oder man startet mit der empfohlenen Zeit aus der App „Massive Dev“, (diese App auf meinem iPad verwende ich).

Die Entwicklungszeit für den zweiten „Eich“-Film wird entsprechend der ermittelten Dichte der Zone VIII aus dem ersten „Eich“-Film entweder verlängert oder verkürzt.

 

zu den Fotos

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